HOTEL, 2018

  • Holz, Stift, Wasserfarbe, Stoff, Polsterlehm, Druck, Papier, Foto
  • 170 x 200 x 20 cm

An den Seiten der Kathedrale San Nicolò in der sizilianischen Stadt Noto befinden sich zwei Halbkreise von Bäumen der Art Ficus Microcarpa, auch chinesische Feige genannt, die als nächtliche Zufluchtsorte für Schwärme von Singvögeln auf der Suche nach einem warmen Unterschlupf dienen. Die Singvögel nutzen diese Rückzugsorte im Stadtraum trotz der Gefahren und Bedrohungen, die von der menschlichen Besiedlung ausgehen können und bevorzugen diese gegenüber ähnlichen Möglichkeiten in der offenen Weite der nicht urbanen Landschaft, da die Temperaturen in der Stadt nachts ein paar Grad wärmer sind. Die am späten Nachmittag durch das durchgehende Zirpen sehr laute Synanthropie wird hier installativ visualisiert. Zeichnung und Fotografie treten gleichberechtigt nebeneinander und der beschriebene Raum wird zusätzlich durch die Hinzunahme weiterer Eigenheiten der Flora und Fauna des Val di Noto mit seinem Naturschutzgebiet angereichert. Auch dieses Naturschutzgebiet umfasst dabei sozusagen anthropomorphisierte Orte wie die früher von der Tonnara, einer Großfanganlage für Thunfisch, angelegten, ehemaligen Saline, die heute ein wichti ges Habitat für verschiedenste V ogelarten darstellen.
Das Thema Synanthropie wird dabei als Ausgangspunkt genutzt und impliziert Zusammenhänge mit gleich mehreren dringenden Diskursen, die auch Problematiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel beinhalten.
Die Installation wurde während der von Bridge Art kuratierten Residency im Jahr 2018 erarbeitet und ist jetzt Teil der Sammlung Tenuta La Favola. Mein besonderer Dank für Hilfestellungen während meiner künstlerischen Forschung vor Ort gilt Renzo Ientile, Ornithologe von der Universität Catania, Filadelfo Brogna, dem Manager der Azienda Regionale Foreste Demaniali und Direktor der Riserva Orientata di Vendicari, sowie dem Botaniker Fabio Malone.